Wer am Kiosk zur neuesten Ausgabe der „Schlank & Schlemmer-Revue“ greift, betritt eine Parallelwelt. Es ist ein faszinierendes Biotop, das auf vier Säulen ruht, die sich gegenseitig so logisch ergänzen wie ein Feuerlöscher und eine Benzinfackel: Diät, Rezepte, Krankheiten und Mode.
Schauen wir uns dieses thermodynamische Wunderwerk einmal genauer an.
1. Die Schizophrenie von Seite 4 und Seite 20
Blättert man die ersten Seiten auf, springt einem das schlechte Gewissen entgegen: „In 3 Tagen zur Bikinifigur: Die magische Kohlsuppen-Kur!“ (Kostenpunkt: Null Euro, wenn man den Mut hat, im Garten zu graben).
Doch kaum hat man die psychologische Hürde der Selbstopferung überwunden, folgt auf Seite 20 der visuelle Hinterhalt: „Der Traum aus Schokolade: Dreistöckige Buttercreme-Torte mit Karamellkern.“ Die Strategie: Die Redaktion weiß genau, dass niemand die Kohlsuppe überlebt, ohne danach die Torte zu backen. Es ist ein ewiger Kreislauf. Man kauft das Heft, um abzunehmen, liest die Rezepte, nimmt zu und muss das nächste Heft kaufen, um die neue Diät zu finden. Ein Geschäftsmodell, so stabil wie das britische Königshaus.
2. Die „Gratis-Diät“ und das 50-Euro-Pulver
Eigentlich ist Abnehmen das billigste Hobby der Welt: Weniger in den Mund stecken und mehr die Beine bewegen. Kostenfaktor: Negativ (man spart ja beim Wocheneinkauf).
Aber die Werbeindustrie hat ein Problem mit „Kostenlos“. Deshalb gibt es Diätprodukte.
- „Spezial-Riegel“ (schmecken wie gepresste Pappe, kosten aber wie echtes Gold).
- „Fettbinder-Kapseln“ (die einzige Funktion: Sie binden dein Erspartes an den Apotheker).
- „Entschlackungstees“ (teures heißes Wasser mit abführender Wirkung).
In der Welt der Frauenzeitschriften ist Fett eine feindliche Macht, die man nur mit hochpreisigen Spezialwaffen besiegen kann. Dass ein simpler Spaziergang denselben Effekt hätte, wird diskret verschwiegen – darauf lässt sich schließlich kein Hochglanz-Logo drucken.
3. Der Krankheits-Check: „Haben Sie vielleicht…?“
Wenn die Diät nicht wirkt (wegen der Torte auf Seite 20), kommt die dritte Säule ins Spiel: Die Krankheiten. * „Müde? Es könnte eine seltene Orchideen-Allergie sein!“ * „Blähungen? Vielleicht leiden Sie an der chronischen ‚Ich-lese-zu-viele-Zeitschriften-Sucht‘?“
Hier wird jedes Zipperlein zum medizinischen Notfall aufgeblasen, was perfekt zur vierten Säule überleitet: Der Mode. Denn wer sich krank und zu dick fühlt, braucht dringend ein neues Outfit, um das Elend zu kaschieren.
4. Mode: Das Versteckspiel
Die Mode-Strecken sind das Finale. Hier sieht man Models mit einem BMI von 14, die Kleider tragen, die an einer Normalsterblichen aussehen wie ein schlecht sitzendes Zelt. Die Bildunterschrift lautet dann: „Kaschiert kleine Problemzonen!“ Welche Problemzonen? Das Model hat nicht mal genug Fleisch auf den Rippen, um eine Zone zu bilden!
Das geschlossene System
Frauenzeitschriften sind ein Perpetuum Mobile der Unzufriedenheit.
- Du liest die Diät, um dich unzureichend zu fühlen.
- Du kochst die Rezepte, um dich zu trösten.
- Du suchst die Krankheit, um eine Entschuldigung für die Torte zu haben.
- Du kaufst die Mode, um den Körper zu verstecken, den du laut Seite 4 gar nicht haben dürftest.
Mein Tipp: Iss die Torte, lass die Zeitschrift im Laden und geh eine Runde spazieren. Das spart Geld, Nerven und man hat danach garantiert keine „seltene Orchideen-Allergie“.
