Wer vor dem Supermarktregal steht, verliert schnell den Überblick. Neben dem allgegenwärtigen „Nativ Extra“ taucht immer häufiger eine deutlich günstigere Alternative auf: Oliventresteröl (oft auch als Orujo oder Pomace Oil deklariert).
Sind die beiden Öle Zwillinge oder eher entfernte Verwandte? Und welches Öl gehört in den Salat und welches in die Pfanne? Wir haben die wichtigsten Merkmale und die besten Küchen-Empfehlungen für dich zusammengefasst.
1. Olivenöl (Nativ Extra): Der edle Fruchtsaft
Das klassische Olivenöl Nativ Extra (oder Extra Vergine) ist die unangefochtene Königsklasse. Es handelt sich hierbei um ein rein mechanisches Naturprodukt. Die Oliven werden geerntet, gewaschen und kalt gepresst bzw. zentrifugiert. Es finden keinerlei chemische Prozesse statt.
Die Merkmale:
- Geschmack: Sehr aromatisch, fruchtig, oft mit einer angenehmen Bitternote und einer leichten Schärfe im Abgang (ein Zeichen für gesunde Polyphenole).
- Inhaltsstoffe: Reich an einfach ungesättigten Fettsäuren, Vitamin E und sekundären Pflanzenstoffen (Antioxidantien).
- Rauchpunkt: Liegt bei etwa 160 °C bis 190 °C.
Einsatz in der Küche:
Die Faustregel: Überall dort, wo man das Öl direkt schmeckt.
- Ideal für Salate, Dressings und Vinaigrettes.
- Perfekt zum Verfeinern (Finishen) von Suppen, Pasta oder gegrilltem Gemüse direkt vor dem Servieren.
- Bedingt geeignet zum sanften Dünsten und Braten bei mittlerer Hitze.
2. Oliventresteröl: Der effiziente Resteverwerter
Wenn die Oliven für das teure native Öl gepresst sind, bleibt ein trockener Brei aus Schalen, Kernen und Fruchtfleisch zurück – der sogenannte Trester. In diesem Trester stecken immer noch etwa 5 % bis 10 % Restöl. Da man dieses nicht mehr mechanisch herauspressen kann, wird es in Raffinerien mithilfe von Hitze und Lösungsmitteln extrahiert. Das so gewonnene Rohöl ist zunächst ungenießbar, wird gereinigt (raffiniert) und anschließend mit einem kleinen Schuss nativem Olivenöl gemischt, um ihm wieder etwas Geschmack und Farbe zu geben.
Die Merkmale:
- Geschmack: Extrem neutral bis geschmacksarm. Es bringt kaum Eigengeschmack an die Speisen.
- Inhaltsstoffe: Die gesunden Antioxidantien und Vitamine gehen beim Raffinieren weitgehend verloren. Das Fettsäureprofil (die ungesättigten Fettsäuren) bleibt jedoch ähnlich stabil wie beim normalen Olivenöl.
- Rauchpunkt: Sehr hoch, meist über 210 °C bis 230 °C.
Einsatz in der Küche:
Die Faustregel: Das Öl fürs Grobe, wo Hitze statt Aroma gefragt ist.
- Hervorragend zum scharfen Anbraten von Fleisch oder Gemüse.
- Ideal zum Frittieren, da es sehr hitzestabil ist und im Gegensatz zu nativem Öl nicht bitter wird oder verbrennt.
- Gut geeignet zum Backen, wenn man die Textur von Olivenöl schätzt, aber keinen dominanten Olivengeschmack im Kuchen haben möchte.
Der direkte Vergleich: Welches Öl für welchen Zweck?
| Kriterium | Olivenöl (Nativ Extra) | Oliventresteröl |
| Herstellung | Rein mechanisch (Kaltpressung) | Chemisch/Thermische Extraktion aus Pressresten |
| Geschmack | Intensiv, fruchtig, krautig, scharf/bitter | Neutral, unauffällig |
| Hitzestabilität | Mittel (bis ca. 180 °C) | Hoch (bis über 220 °C) |
| Preis | Höherpreisig | Sehr günstig |
| Beste Disziplin | Kalte Küche & Verfeinern | Braten, Frittieren & Backen |
Fazit für deine Küche
Es gibt hier kein „Gut gegen Böse“. Beide Öle haben ihre absolute Daseinsberechtigung. Es ist schlicht eine Verschwendung, das teure, aromareiche Nativ Extra in die Friteuse zu kippen, wo die Hitze alle Nuancen zerstört. Umgekehrt verdirbt das neutrale Oliventresteröl jedem Tomaten-Mozzarella-Salat den Charakter.
Der smarte Küchen-Tipp: Stell dir einfach beide Flaschen in den Schrank. Das günstige Tresteröl für die heiße Pfanne, das edle native Olivenöl für den puren Genuss auf dem Teller!
