Ein Plädoyer gegen das verklemmteste Motiv der Pressefotografie – und eine kleine Nachhilfe für Fotografen, die ihr Handwerk lieben.

Wer Lokalzeitungen durchblättert, Gastro-Flyer studiert oder Business-Websites besucht, kennt dieses Phänomen. Egal ob in München, Prag oder der tiefsten Provinz: Sobald ein Koch, ein Metzger oder ein Handwerksmeister vor die Linse treten muss, passiert es. Wie von Geisterhand gezogen, wandern die Hände nach oben, die Unterarme verschränken sich vor der Brust, der Kopf neigt sich leicht zurück.

Fertig ist das Meisterwerk: Der Hüter des Fleischwolfs steht da wie die Eiche im Sturm. Unbeugsam. Verschlossen. Und gelinde gesagt: völlig distanzlos und deplatziert.

Willkommen in der Welt der sogenannten „Macht-Pose“ – dem wohl einfallslosesten Abziehbild der modernen PR- und Business-Fotografie.

Die Armverschränkung: Was Fotografen glauben vs. was der Kunde sieht

In den Köpfen vieler Fotografen und PR-Berater gilt die Armverschränkung seit den 1990er-Jahren als unschlagbares Allheilmittel für die Körpersprache im Bild.

Die Theorie des Fotografen: „Das wirkt standfest, kompetent, durchsetzungsstark und vermittelt Selbstbewusstsein.“

Die Realität beim Betrachter: „Warum guckt der Typ so grimmig? Will der mir das Schnitzel servieren oder mich verprügeln?“

In der Körpersprache und Mimik-Analyse ist die verschränkte Armhaltung ein klassisches Abwehr- und Blockadesignal. Sie zieht eine sichtbare Barriere zwischen dem Dienstleister und dem Kunden. Bei einem Security-Mitarbeiter vor der Diskothek mag das die richtige Botschaft sein – bei einem Gastgeber, der Menschen zum schmackhaften Essen einladen möchte, ist es eine Katastrophe für das Markenimage.

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|                       DAS POSING-MISSMATCH                           |
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| WAS DAS FOTO SENDEN SOLL:   -->   Stärke & Marktführerschaft         |
| WAS DERECHTE KUNDE WAHRNIMMT:-->  Abweisende Haltung & Arroganz      |
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Die Verlegenheit vor der Linse: „Wohin mit den Händen?“

Warum hält sich dieses Motiv trotzdem so hartnäckig in der Unternehmenskommunikation? Es ist das Ergebnis beidseitiger Hilflosigkeit am Set:

  1. Der Darsteller hat Kameraangst: Ein Küchenchef steht stundenlang am Herd, nicht auf dem roten Teppich. Vor der Kamera weiß er schlicht nicht, wohin mit seinen Händen. Schlaff an der Seite hängende Arme wirken schnell ungelenk.
  2. Der Fotograf hat Zeitdruck: Anstatt ein echtes Porträt zu erarbeiten, greift der Presse- oder Business-Fotograf zur billigsten Schablone: „Verschränk mal die Arme und guck mal selbstbewusst!“

Besonders absurd ist das im Handwerk: Das Wichtigste an einem Koch oder Metzger sind seine Hände. Wer die Hände eines Handwerkers versteckt und die Arme verriegelt, zeigt das genaue Gegenteil von Handwerkskunst – nämlich Tatenlosigkeit.

Anweisung an die Zunft: Liebes Fotografen-Gewerbe, macht es endlich besser!

Es ist Zeit für eine kleine Handreichung an alle Business-Fotografen, Lokaljournalisten und Mediengestalter da draußen. Wenn ihr das nächste Mal einen Fachbetrieb oder ein Restaurant inszenieren müsst, streicht die „Macht-Pose“ ersatzlos aus eurem Repertoire.

Hier sind drei einfache Wege, wie authentische Mitarbeiterfotos ohne Klischees gelingen:

1. Zeigt die Hände in Aktion (Action-Shots)

Ein Koch gehört an den Herd, ein Metzger an die Schneidebank. Lasst den Chef das Messer wetzen, Kräuter zupfen oder den Teller anrichten. Dynamik schlägt Pose. Das lenkt die Person von der Kamera ab und schafft natürliches Licht und echte Emotionen.

2. Nutzt Requisiten als natürliche Stütze

Wenn es ein klassisches Porträt sein muss: Lasst die Arme locker auf einer Anrichte, einem Stehtisch oder der Theke auflegen. Das nimmt die Spannung aus den Schultern, verhindert hängende Arme und signalisiert Offenheit.

3. Schafft Gastfreundschaft durch Körpersprache

Ein Gastgeber sollte dem Betrachter zugewandt sein. Offene Hände, eine leicht geneigte Schulter und ein ehrliches Lächeln vermitteln Nähe, Kompetenz und Sympathie.

Fazit: Weg mit der Panzer-Attitüde im Handwerk

Die Zeiten, in denen Stärke durch kalte Unnahbarkeit ausgedrückt werden musste, sind vorbei. Kunden suchen heute nach Authentizität, Nahbarkeit und ehrlichem Handwerk.

Liebe Fotografen: Erlöst die Köche, Metzger und Handwerker dieser Welt aus ihrer hölzernen Schockstarre. Lasst sie die Arme öffnen, die Hände zeigen und einfach das sein, was sie sind – gute Gastgeber und Meister ihres Fachs.