Was kochen wir, wenn die Ausserirdischen kommen? Es sind schließlich Gäste die eine lange und beschwerliche Reise hinter sich hatten.

EDITORIAL: DIPLOMATIE GEHT DURCH DEN MAGEN

Wenn die NASA oder Hollywood über den Erstkontakt nachdenken, geht es immer um das Gleiche: Schildsysteme, Abwehrraketen und die Frage, ob die Außerirdischen in friedlicher Absicht kommen. Was für eine verfehlte Prioritätensetzung!

Wenn Besuch vor der Tür steht – egal ob aus der Nachbarstadt oder aus dem Zeta-Reticuli-System – stellt man keine Panzer auf. Man fragt: „Habt ihr schon was gegessen?“

Eine militärische Konfrontation kann man mit schlechter Kommunikation erklären. Aber Gästen aus dem All ein lauwarmes Schnitzel auf den Teller zu knallen oder nicht zu wissen, was man einschenkt, ist eine kosmo-soziale Blamage, von der sich die Erde nie wieder erholen würde.

1. DIÄTETIK UND ETHIK: BEYOND VEGAN („VOGON“?)

In der modernen Gemeinschaftsverpflegung schlagen wir uns bereits mit Dutzenden Unverträglichkeiten, Laktoseintoleranz und ethischen Ernährungsformen herum. Wer glaubt, mit einem veganen Erbsen-Patty für den galaktischen Besuch gerüstet zu sein, denkt viel zu lokal.

  • Das „Vogon“-Paradigma: Wenn Zivilisationen Millionen Jahre älter sind als wir, haben sie Ernährungsstufen erreicht, für die uns die Begriffe fehlen. Vielleicht ernähren sie sich rein synthetisch, verzehren Lichtspektren oder folgen der Stufe „Vogon“ – einer Ernährungsform, die aus ethischen Gründen nicht einmal mehr die Ausbeutung von Pflanzenmolekülen erlaubt.
  • Die Allergen-Katastrophe: Wenn der Gastronom dem außerirdischen Botschafter Erdnusssoße serviert und damit versehentlich eine intergalaktische Kernschmelze im Magen des Gastes auslöst, ist das kein Küchenunfall, sondern eine Kriegserklärung.

2. DIE GETRÄNKE-FRAGE: WAS SCHENKT MAN BEIM ERSTKONTAKT EIN?

Die Bar-Strategie für den Erstkontakt ist ein diplomatisches Minenfeld. Wasser? Zu banal, vielleicht für sie eine Säure. Kaffee? Ein Nervengift. Wodka?

  • Der Wodka-Risk: Versucht man den Besuch nach alter Erden-Manier mit Wodka „lockerzumachen“, riskiert man zwei Szenarien: Entweder löst der Alkohol den Außerirdischen Molekül für Molekül auf – oder er wirkt bei ihm wie Leitungswasser und wir stehen blamiert da.
  • Die „Tränk“-Kuration: Statt industrieller Standards bräuchten wir ein perfekt austariertes Sortiment aus Fermenten, Kräuter-Cordials und mineralischen Infusionen. Wer dem galaktischen Rat ein industrielles Cola-Mischgetränk anbietet, hat die Gastronomie-Kultur der Erde im Universum für immer diskreditiert.

3. GEMEINSCHAFTSVERPFLEGUNG ALS GALAKTISCHER MASSSTAB

Am Ende wird der Eindruck der Menschheit nicht im VIP-Raum der UN entschieden, sondern in der Kantine. Wie die Erdbewohner ihre Masse verpflegen, zeigt den wahren Entwicklungsstand unserer Spezies.

Wenn die Kantine der NASA schon beim Werksverkauf versagt, wie wollen wir dann eine interstellare Delegations-Verpflegung auf die Beine stellen?

WENIGER PENTAGON, MEHR KÜCHE

Die Menschheit sollte dringend ihr Budget umschichten. Weniger Geld für Abwehrsysteme, mehr Budget für das Erstkontakt-Menü. Wenn die Außerirdischen landen, dürfen sie ruhig sehen, dass wir keine Hyper-Technologie haben. Aber sie müssen nach dem ersten Gang sagen: „Die Technologie ist primitiv, aber das Hero-Produkt und der Service sind fantastisch. Wir verschonen diesen Planeten.“