Es gibt Städte, die man besucht, um gesehen zu werden. Und es gibt Zittau. Ganz im Südosten Sachsens gelegen, dort, wo die Landkarte spitz zuläuft und drei Nationen ineinanderfließen, liegt ein Ort, der so viel Geschichte, Scharm und Entschleunigung bietet, dass man sich fragt, warum man eigentlich jemals nach Florenz wollte. Willkommen im „Reichenberg des Ostens“, willkommen in Zittau.
Die Lage: Das Herz im Dreiländereck
Zittau liegt im Landkreis Görlitz, eingebettet in das kleinste Mittelgebirge Deutschlands, das Zittauer Gebirge. Die Stadt ist das Tor zu einer Region, in der man innerhalb von zehn Minuten drei Sprachen hören kann. Geografisch gesehen ist Zittau der Inbegriff von „mittendrin statt nur dabei“, wenn man die Verbindung zwischen der Oberlausitz, Nordböhmen und Niederschlesien sucht.
Die wichtigsten Anlaufpunkte: Geschichte zum Anfassen
Wer Zittau besucht, kommt an diesen Highlights nicht vorbei:
- Das Große Zittauer Fastentuch von 1472: Es ist das einzige seiner Art in Deutschland und ein monumentales Zeugnis mittelalterlicher Frömmigkeit. In der Kirche zum Heiligen Kreuz wird dieses riesige „Bilderbuch der Bibel“ (8,20 Meter hoch!) spektakulär präsentiert. Es ist das „Muss“ für jeden Kulturliebhaber.
- Der Marktplatz & das Rathaus: Das Rathaus im Stil eines italienischen Palazzo ist so beeindruckend, dass man kurz vergisst, dass man in Sachsen steht. Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, das Team von Wes Anderson hätte die Architektur geplant.
- Die Zittauer Schmalspurbahn: Hier schnaufen noch echte Dampflokomotiven. Die Fahrt vom Zittauer Bahnhof hinauf in die Kurorte Oybin oder Jonsdorf ist keine bloße Beförderung, sondern eine Zeitreise. Der Ruß auf der Nase gehört zum guten Ton.
- Das Dreiländereck-Denkmal: Ein kurzer Spaziergang führt zum Punkt, an dem Neiße und Grenzbäche zusammenfließen. Hier kann man mit einem Fuß in Polen und mit dem anderen in Deutschland stehen, während man den Blick nach Tschechien schweifen lässt.
Eckdaten: Zittau kompakt
- Einwohner: Ca. 25.000 (klein genug zum Wohlfühlen, groß genug für Kultur).
- Architektur: Ein Mix aus prachtvoller Renaissance, Barock und klassizistischer Architektur der Gründerzeit.
- Beiname: Stadt der sieben Brunnen.
- Wissenschaft: Standort der Hochschule Zittau/Görlitz, was der alten Stadt einen erfrischend studentischen Vibe verleiht.
Kurzurlaub-Angebote: Drei Tage Entschleunigung
Zittau bietet ideale Pakete für ein verlängertes Wochenende:
- Das Kultur-Wochenende: Besuch beider Fastentücher (das Kleine von 1573 ist ebenfalls sehenswert!), gefolgt von einer Führung durch die historischen Fleischbänke und einem Abendessen in einem der urigen Gasthöfe wie dem „Dornspachhaus“.
- Aktiv im Gebirge: Übernachtung in Zittau, morgens mit der Schmalspurbahn nach Oybin, Wanderung auf den Berg Oybin (Burg- und Klosterruine) und zurück durch die bizarren Sandsteinformationen.
- Wellness & Wasser: Ein Tag im Trixi-Bad (Großschönau) kombiniert mit einer Radtour entlang des Oder-Neiße-Radwegs, der direkt durch Zittau führt.
Ein Ort für Kenner
Zittau ist kein Ort für Massentourismus und Hektik. Es ist eine Stadt für Menschen, die das Echte suchen – die Handwerkskunst des Blaudrucks, die Ruhe in den Parks und die beeindruckende Architektur, die davon erzählt, wie reich diese Stadt durch den Tuchhandel einst war. Wer hierherkommt, bringt Zeit mit und nimmt Erlebnisse mit nach Hause, die nicht von der Stange sind.
In den Gassen der Altstadt spürt man noch immer den Geist der Handelsreisenden, die hier einst Station machten. Heute sind es die Reisenden der Moderne, die feststellen: Das Gute liegt oft genau dort, wo man es am wenigsten vermutet – ganz am Zipfel der Republik.

