Wenn man den Schritt in einen echten Käse-Feinkostladen wagt, kann die Auswahl erschlagend sein. Um den Unterschied zum Supermarkt-Regal wirklich zu begreifen, solltest du gezielt nach diesen fünf Klassikern fragen. Sie zeigen exemplarisch, was Reifezeit, Rohmilch und handwerkliche Pflege bewirken.
1. Echter Roquefort (Der König der Blauschimmelkäse)
Im Discounter findet man oft milden, cremigen Blauschimmelkäse in Plastikschalen. Ein echter Roquefort aus der Feinkostabteilung ist eine andere Liga.
- Warum im Fachhandel? Er wird ausschließlich aus roher Schafmilch hergestellt und in den natürlichen Kalksteinhöhlen von Roquefort-sur-Soulzon gereift. Im Laden lagert er oft in Alufolie, um seine Feuchtigkeit zu behalten.
- Das Erlebnis: Er ist scharf, salzig und gleichzeitig unglaublich cremig. Der Schimmel ist würzig, aber niemals bitter. Ein Erlebnis, das die industrielle „Edelpilz-Variante“ nicht bieten kann.
2. Brie de Meaux (Das Original)
Vergiss die festen, weißen Tortenstücke aus dem Kühlregal, die nach fast nichts schmecken außer nach Sahne.
- Warum im Fachhandel? Der „Brie de Meaux“ ist ein Rohmilchkäse mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Der Händler verkauft ihn dir genau dann, wenn der Kern nicht mehr kreidig, sondern perfekt cremig ist.
- Das Erlebnis: Er duftet nach Champignons, Waldboden und frischer Butter. Er „läuft“ auf dem Teller und hat eine Tiefe, die jeden Supermarkt-Brie blass aussehen lässt.
3. Comté (Der Charakterkopf aus den Bergen)
Comté gibt es zwar auch im Supermarkt, dort aber meist nur in der Standard-Reifung von 6 Monaten.
- Warum im Fachhandel? Hier findest du Comté, der 18, 24 oder sogar 36 Monate gereift ist. Der Händler wählt oft Laibe von bestimmten Sennereien aus.
- Das Erlebnis: Je älter er wird, desto mehr kleine Knusperkristalle (Tyrosin) bilden sich. Er schmeckt nach gerösteten Haselnüssen und Bergwiesen. Ein 24 Monate gereifter Comté ist kein Käse, sondern ein Monument.
4. Époisses (Der Duft-Gigant)
Dieser Käse aus Burgund ist nichts für schwache Nerven (oder empfindliche Nasen), aber ein Muss für Gourmets.
- Warum im Fachhandel? Er wird während der Reifung regelmäßig mit Mark (Tresterbrand) gewaschen. Im Discounter ist er wegen seines starken Geruchs und der anspruchsvollen Pflege kaum zu finden.
- Das Erlebnis: Die Rinde ist klebrig-orange, das Innere so flüssig, dass man es löffeln muss. Er schmeckt kräftig, würzig und fleischig – ein absolutes Highlight für jede Käseplatte.
5. Ein echter Ziegenfrischkäse (Valençay oder Sainte-Maure)
Industrieller Ziegenkäse schmeckt oft streng „bockig“ oder völlig neutral.
- Warum im Fachhandel? Handgeschöpfte Ziegenkäse aus dem Loire-Tal (oft an der Ascheschicht erkennbar) sind kleine Kunstwerke. Der Händler weiß, ob der Käse noch frisch-zitronig oder schon etwas reifer und cremiger unter der Rinde ist.
- Das Erlebnis: Er ist fein-säuerlich, schmilzt am Gaumen und hat eine elegante Ziegennote, die eher an frisches Gras als an den Stall erinnert.
Tipp für deinen Einkauf:
Geh zum Händler und sag: „Ich möchte eine kleine Platte zusammenstellen. Welcher dieser fünf ist heute auf dem absoluten Höhepunkt seiner Reife?“ Ein guter Affineur wird dir sofort ein Probierstück abschneiden – und genau in diesem Moment wirst du den Unterschied zum Discounter nicht nur verstehen, sondern lieben.
