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Es ist leicht, über die „Convenience-Welle“ zu schimpfen, doch wer mittags durch die Gewerbegebiete und Innenstädte geht, sieht eine andere Realität. Da stehen der Monteur im Blaumann, der Außendienstler im Firmenwagen und das Rentnerpaar am Tresen. Sie alle eint eine einfache Suche: ein warmes Essen zu einem Preis, der das Budget nicht sprengt. Der Markt für das preiswerte Mittagsgericht ist kein Unfall der Gastronomie, sondern eine lebensnotwendige Konstante.

1. Eine Frage der Perspektive: Der Markt der Macher

Man darf nicht vergessen, für wen dieses Angebot gemacht ist. Handwerker und Monteure, die den ganzen Tag körperlich schuften, brauchen keine dekonstruierte Molekularküche. Sie brauchen Energie, Verlässlichkeit und einen Preis, der es erlaubt, jeden Tag auswärts zu essen. Wenn ein Imbiss ein Gericht für 7 bis 9 Euro anbietet, ist das für diese Berufsgruppen ein fairer Deal. Hier wird nicht über „Magie“ diskutiert, sondern über Sättigung und einen kurzen Moment der Ruhe, bevor es zurück auf die Baustelle geht.

2. Die 5-Euro-Grenze: Das Erbe des 50-Pfennig-Kaffees

Oft wird nostalgisch auf die Zeiten zurückgeblickt, in denen der Kaffee am Imbiss noch 50 Pfennig kostete und die Currywurst für drei Mark über den Tresen ging. Doch die Romantik täuscht: Auch damals war das ein knallhart kalkuliertes Geschäft. Die heutigen 5- bis 6-Euro-Gerichte sind die direkten Nachfahren dieser Preispolitik. Dass dies im Jahr 2026 nur noch mit Großküchen-Strukturen und hohem Convenience-Grad machbar ist, ist kein böser Wille der Wirte, sondern den wirtschaftlichen Umständen geschuldet.

  • Wer 5 Euro verlangt, macht kein Handwerk – er betreibt soziale Grundversorgung.
  • Es ist ein Angebot für jene, die jeden Cent umdrehen müssen, wie etwa Rentner, deren Bezüge nicht mit den Restaurantpreisen mitgewachsen sind.

3. Die 12-Euro-Gastro: Die Suche nach der Mitte

Wer hingegen 12 Euro für sein Mittagessen ausgibt, tritt in eine andere Erwartungswelt ein. Hier liegt die Grenze, an der der Gast zu Recht verlangt, dass die Sauce nicht nur aus dem Eimer kommt und das Schnitzel vielleicht doch kurz die Pfanne gesehen hat. Dieser Preispunkt ist der Versuch der Gastronomie, Qualität zu erhalten, ohne die Werktätigen komplett zu vertreiben. Es ist der schmale Grat zwischen betriebswirtschaftlichem Überleben und dem Anspruch, noch ein „echter“ Gastgeber zu sein.

4. Ein ehrliches Fazit: Akzeptanz statt Verurteilung

Wir müssen aufhören, das preiswerte Mittagsgeschäft nur als „billig“ abzutun. In einer Zeit explodierender Kosten für Energie, Personal und Rohstoffe ist es eine unternehmerische Leistung, überhaupt noch ein warmes Essen unter 10 Euro anzubieten.

Dass dabei die „Magie“ und die individuelle Handschrift auf der Strecke bleiben, ist der Preis für die Bezahlbarkeit. Ein Imbiss ist keine Sterneküche, und eine Kantine ist kein Gourmettempel. Wenn der LKW-Fahrer und die Rentnerin am Ende des Tages satt sind und noch Geld für die Miete haben, hat dieser Markt seine Aufgabe erfüllt. Es ist die ehrliche, oft unbesungene Seite der Gastronomie, die den Motor der Gesellschaft am Laufen hält – so wie es früher der 50-Pfennig-Kaffee getan hat.