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Früher war alles besser? Nein, früher war Social Media einfach nur das, was der Name versprach: sozial. Heute ist es eine Mischung aus Dauerwerbesendung, Psycholabor und dem Murmeltiertag der Algorithmen.

Es ist ein stiller Trend, der sich durch die Generationen frisst – von den Z-lern, die eigentlich mit dem Smartphone in der Hand geboren wurden, bis hin zu den erfahrenen Wertschöpfern, die einfach nur wissen wollten, wie es dem Schulfreund von vor 20 Jahren geht. Das Urteil fällt immer öfter vernichtend aus: Social Media ist „kaputt“.

Die algorithmische Endlosschleife

Hatten Sie in letzter Zeit auch das Gefühl, in einer Zeitschleife festzustecken? Sie scrollen durch Ihren Feed und sehen… denselben Witz, das gleiche „Lifehack“-Video und die identische pseudo-philosophische Weisheit wie vor drei Wochen. Das System hat sich totgelaufen.

Anstatt uns mit Neuem zu inspirieren, servieren uns die Algorithmen den kleinsten gemeinsamen Nenner. Es ist die digitale Entsprechung von Kantinenfraß: Es macht zwar irgendwie satt, schmeckt aber nach Pappe und man weiß schon vorher genau, welche Farbe die Soße hat. Wir werden nicht mehr informiert, wir werden nur noch „bespielt“.

Wo sind eigentlich die Freunde hin?

Der Begriff „Social“ Media ist mittlerweile so treffend wie „Zitronenfalter“ – die falten nämlich auch keine Zitronen. Wer heute eine App öffnet, sucht meist vergeblich nach dem, was „die Leute, die man kennt“, so treiben. Stattdessen wird man mit Inhalten von Fremden zwangsbeglückt, die man nie abonniert hat.

Das Ganze ist zu einer riesigen Werbeplattform mit angeschlossener Kommentarfunktion mutiert. Zwischen drei Anzeigen für Kniebandagen (weil man einmal „Sport“ gegoogelt hat) und einem gesponserten Video über Krypto-Vorsorge taucht vielleicht mal ein verwackeltes Foto von Tante Ernas Geburtstag auf – aber nur, wenn Tante Erna vorher die Algorithmus-Gebühr in Form von massiver Interaktion bezahlt hat.

Die Invasion der Plastik-Menschen

Und dann sind da noch die Influencer. Diese seltsame Spezies von „Meinungsmachern“, die in ihren perfekt ausgeleuchteten Küchen stehen und uns erklären, wie authentisch ihr Leben ist, während sie ein Produkt in die Kamera halten, das sie selbst nie benutzen würden.

Diese inszenierte Realität ist mittlerweile so weit von der echten Welt der Wertschöpfer entfernt wie der Mars von der Erde. Die Menschen merken, dass dieser „Lifestyle“ ein reines Industrieprodukt ist. Es nervt nicht mehr nur, es langweilt. Der Kontrast zwischen dem echten Leben (mit Update-Fehlern, Login-Hörden und echten Problemen) und dieser Hochglanz-Simulation führt zu einer Reizüberflutung der Sinnlosigkeit.

Die neue Freiheit: Die Rückkehr ins „Off“

Was passiert, wenn die Blase platzt? Junge Menschen entdecken plötzlich den Reiz der Unerreichbarkeit.

  • Analoge Nischen: Es wird wieder „in“, sich im echten Leben zu treffen, ohne ein Foto vom Essen zu machen.
  • Informations-Hygiene: Wer keine Lust mehr hat, alle paar Wochen den gleichen Müll angezeigt zu bekommen, löscht die App und gewinnt plötzlich Stunden an Lebenszeit zurück.

Die „Gewinner“ dieses Trends sind diejenigen, die erkannt haben, dass man keine 500 digitalen „Freunde“ braucht, wenn man drei echte hat, mit denen man ein Bier trinken oder ein Haus bauen kann.

Der Rückzug aus den sozialen Medien ist kein Zeichen von Rückständigkeit, sondern ein Akt der geistigen Selbstverteidigung. Wir verlassen den digitalen Einkaufstempel, weil die Verkäufer zu aufdringlich, die Waren gefälscht und die Musik zu laut geworden sind. Willkommen zurück in der Realität – der Eintritt ist frei und ein Passwort braucht man hier auch nicht.