Tnd suppenwoche okroschka rezept russischRussische Okroschka Interpretation

Manchmal ist ein Rezept wie eine Zwangsjacke. Man starrt auf die Waage, zählt die Pfefferkörner ab und verliert dabei völlig den Flow. Aber heute nicht. Heute ist einer dieser Tage, an denen die Küche zum Spielplatz wird. Keine Anleitung, kein Abwiegen – nur Intuition und das, was der Kühlschrank freiwillig hergibt.

Kennt ihr das? Man sehnt sich nach etwas Frischem, Kühlem, aber mit ordentlich Wumms. Quasi die osteuropäische Antwort auf die Hitze (oder den Heißhunger): Eine spontane Okroschka-Interpretation.

Das Prinzip „Alles kann, nichts muss“

Die Basis ist schnell erklärt. Wer es klassisch mag, greift zu Kwas, aber heute bin ich im Team Kefir-Buttermilch. Schön säuerlich, eiskalt und cremig genug, dass der Löffel fast von alleine steht. Ein Schuss Mineralwasser mit viel Kohlensäure dazu – das prickelt so herrlich auf der Zunge.

Dann wird geschnippelt, was das Zeug hält. Radieschen für die Schärfe, Gurken für die Frische. Aber der wahre Star heute? Rauchwurst.

Ich finde, diese feine, rauchige Note gibt der kalten Suppe erst diesen rustikalen „Hütten-Charakter“, den man bei reinen Gemüsesuppen oft vermisst. Die Wurst in winzige Würfel schneiden, damit man bei jedem Löffel ein bisschen Rauchgeschmack dabei hat.

Das Auge isst mit (und das Ei liefert den Schmelz)

Und dann kommt das Finale. Ein hartgekochtes Ei, präzise halbiert, thront obenauf wie eine kleine Insel im weißen Meer. Das Eigelb darf ruhig noch diesen ganz leicht wachsweichen Kern haben, der sich dann langsam mit der kalten Suppe verbindet. Ein Klecks Senf für die Tiefe, ein Bund Dill (viel zu viel Dill ist gerade genug!), Schnittlauch und eine Prise grobes Meersalz.

Warum wir öfter so kochen sollten

Diese Suppe ist wie ein guter Song: Man kennt die Grundmelodie, aber die Improvisation macht den Hit. Es gibt kein „Falsch“. Zu wenig Salz? Dreh an der Mühle. Zu dickflüssig? Mehr Wasser.

Es ist diese herrliche Unbeschwertheit, die wir beim Kochen oft verlieren. Man sitzt dann da, den Teller vor sich, das eiskalte Metall des Löffels an der Lippe, und beißt auf ein Stück knackiges Radieschen und rauchige Wurst.

Einfach. Spontan. Gut.