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Es ist ein Reflex. Wir stehen vor der Milch, dem Joghurt oder dem abgepackten Käse. Die erste Packung lacht uns an. Sie steht perfekt in der ersten Reihe, griffbereit, geradezu präsentiert. Und was machen wir? Wir schieben sie beiseite, verrenken uns den Arm und angeln nach der zweiten oder dritten Packung von hinten.

Die Psychologie des „unberührten“ Objekts

Warum tun wir das? Es gibt drei irrationale (aber menschliche) Gründe:

  1. Das Frische-Orakel: Wir wissen, dass Supermärkte nach dem FIFO-Prinzip (First In – First Out) einräumen. Das Alte nach vorne, das Neue nach hinten. Wir fühlen uns wie Meisterdiebe, wenn wir die Packung mit zwei Tagen mehr Haltbarkeit ergattern – auch wenn wir die Milch sowieso morgen früh austrinken.
  2. Die Keim-Paranoia: Die vorderste Packung hat „Augen-Kontakt“ hinter sich. Tausende Menschen haben sie angeschaut, vielleicht sogar angefasst und wieder zurückgestellt. Die hintere Packung ist quasi noch „Jungfrau“. Sie hat die Welt noch nicht gesehen und ist damit – in unserem Kopf – reiner.
  3. Die Jagd-Instinkte: Etwas zu nehmen, das uns einfach so dargeboten wird? Zu einfach. Der moderne Sammler will für seine Beute arbeiten. Ein bisschen Wühlen im Regal gibt uns das Gefühl, eine bessere Wahl getroffen zu haben als der „faule“ Kunde vor uns.

Weitere Routinen, die eigentlich keinen Sinn ergeben

1. Das „Gesundheits-Alibi“ am Eingang

Ist Ihnen aufgefallen, dass fast jeder Supermarkt mit der Obst- und Gemüseabteilung beginnt? Das ist kein Zufall. Psychologen nennen das „Licensing Effect“. Wenn wir zuerst den Brokkoli und die Bio-Äpfel in den Wagen legen, fühlt sich unser Gewissen „gereinigt“. Wir haben unser Soll als gesundheitsbewusste Bürger erfüllt und können später im Gang 4 mit reinerem Gewissen bei den Kartoffelchips und der Schokolade eskalieren.

2. Das „Regal-Starren“

Wir suchen ein Produkt. Wir wissen genau, wo es stehen müsste. Wir starren fünf Minuten auf das Regal, sehen es nicht, drehen uns um, fragen einen Mitarbeiter, dieser zeigt wortlos auf die Stelle direkt vor unserer Nase – und plötzlich materialisiert sich das Produkt aus dem Nichts. Ein Glitch in der Matrix? Nein, einfach nur ein temporärer Ausfall der Mustererkennung durch Reizüberflutung.

3. Das „Kassen-Hopping“

Wir beobachten drei Schlangen. Wir wählen die kürzeste. Sofort bleibt dort jemand hängen, weil der Bon rollt, die Avocado keinen Aufkleber hat oder die Dame vorne Kleingeld für 14,98 Euro sucht. Wir wechseln die Schlange – nur damit die alte Schlange plötzlich mit Lichtgeschwindigkeit abkassiert wird. Es ist ein statistisches Gesetz: Die eigene Schlange ist immer die langsamste.


Spocks Logbuch: Nachtrag

„Die Prozedur, ein identisches Objekt hinter einem anderen identischen Objekt hervorzuwählen, verbraucht 14 % mehr kinetische Energie ohne messbaren Mehrwert für die Nährstoffaufnahme. Zudem ist die psychologische Entlastung durch den Kauf von Gemüse am Eingang eine Form der Selbsttäuschung, die ich als höchst unlogisch einstufe.“

Elfriedes Urteil

Elfriede steht am Ende des Ganges und schüttelt den Kopf:

„Mensch, wenn ick sehe, wie die Leute das Regal umgraben wie de Wildschweine! Wenn de Milch morgen abläuft, dann trink se halt heute! Und det janze Parfüm-Jesprühe… ick sag’t ja: Wer sich erst wäscht und dann wie ne Blumenwiese riechen will, der hat det Vertrauen in seine eigene Seife verloren. Nehmt euch ne Stille Sibylle mit – die riecht ehrlich nach Arbeit und Fisch. Da weißte, watte hast!“