Tnd generation z zukunft gesellschaft

Ein Kommentar von unserer Redaktion

Wer heute einen Blick in die Terminkalender (oder das Fehlen derselben) der zwischen 1997 und 2012 Geborenen wirft, stößt auf ein faszinierendes Phänomen: Die totale Kapitulation vor der Linearität der Zeit. Während frühere Generationen noch stolz auf ihre Filofax-Systeme und die 5-Jahres-Pläne waren, herrscht bei der Gen Z das Diktat des Augenblicks. Alles muss „matchen“, der „Vibe“ muss stimmen – und zwar jetzt. Doch diese radikale Gegenwartsorientierung hat einen Preis, der oft erst um 23:59 Uhr fällig wird.

Die 11:59-Mentalität: Adrenalin statt Struktur

Vorausplanung wird in dieser Welt oft als „cringe“ oder unnötiger Stress empfunden. Warum sich heute um die Steuererklärung kümmern, wenn man gerade die perfekte Playlist für den Sonnenuntergang kuratieren muss? Das Problem: Die Zeit ist kein TikTok-Feed, den man einfach nach oben wischen kann.

Was als „Flow“ oder „Leben im Moment“ verkauft wird, entpuppt sich im Alltag oft als eine endlose Kette von Brandlöschungen. Die Hausarbeit wird in einer koffeingetränkten Nachtschicht vor der Deadline hingeknallt, der Urlaubsbuchung fehlt das Visum, und die Bahnfahrt scheitert an der vergessenen Reservierung.

Der „Re-do-Loop“: Die Zeitfalle der Planlosen

Das eigentliche Paradoxon ist der immense Zeitverlust, der durch die vermeintliche Freiheit entsteht. Wer keine Struktur hat, muss nämlich ständig von vorne anfangen. In der Psychologie nennt man das oft die „Verkettung zeitfressender Anläufe“:

  1. Der erste Versuch: Schnellschuss ohne Recherche (scheitert).
  2. Die Korrektur: Panisches Flicken der Fehler (dauert doppelt so lange).
  3. Der Neustart: Alles auf Null, weil das Fundament fehlte.

Am Ende verbringt der strukturlose Zeitgenosse mehr Zeit mit dem Reparieren seines Lebens als ein preußischer Beamter mit seiner Aktenablage. Es ist die Ironie einer Generation, die Zeit sparen will (durch Abkürzungen), aber sie verprasst (durch Nachbesserungen).

Time Blindness – Eine Diagnose als Lifestyle?

Interessanterweise hat die Gen Z sogar einen Begriff dafür etabliert: Time Blindness. Was für manche eine neurologische Herausforderung ist, wird für andere zum modischen Label, um die eigene Unverbindlichkeit zu rechtfertigen. „Sorry, ich hab Time Blindness“ ist das neue „Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen“.

Doch im Jahr 2026 sehen wir einen leichten Wandel. Die Erschöpfung durch das ständige „Auf-den-letzten-Drücker-Sein“ führt zu einem neuen Trend: Radical Groundedness. Immer mehr junge Menschen entdecken, dass ein simpler Google-Kalender kein Instrument der Unterdrückung ist, sondern eine Burnout-Sperre.

Was Elfriede dazu sagen würde

Man stelle sich vor, Elfriede Weber de Fernandez würde einem jungen „Digital Nomad“ beim Arbeiten zusehen. Sie würde vermutlich den Kopf schütteln, sich eine Stille Sibylle schmieren und trocken feststellen:

„Mensch Puppe, wenn de erst losrennst, wenn de Bus schon an de Haltestelle steht, brauchste dich nich wundern, wenn de außer Puste bist und de Tasche noch zu Hause liejt. Struktur is nich für de Spießer, Struktur is dafür da, det de Zeit hast, in Ruhe den Fisch zu essen!“

Leben im Jetzt ist eine Tugand, solange das „Jetzt“ nicht zur Dauerbaustelle wird. Ein bisschen mehr Vorausplanung würde der Gen Z nicht ihre Spontaneität rauben – es würde ihr nur die Zeit verschaffen, diese auch wirklich zu genießen, statt sie mit der Suche nach dem Ladekabel oder dem Ausfüllen von Last-Minute-Formularen zu verschwenden.