| Das Mindset-Massaker | Die Strategie-Fata-Morgana | Die Lifestyle-Lüge |
| „Du musst dein Mindset shiften.“ (Übersetzung: Wenn es nicht klappt, bist du selbst schuld, weil du nicht fest genug geglaubt hast.) | „Skaliere dein Business auf 10k im Monat.“ (Die magische 10.000-Euro-Grenze, die scheinbar jeder erreicht, der ein Handy halten kann.) | „Raus aus dem Hamsterrad.“ (Gesprochen von jemandem, dessen Hamsterrad jetzt darin besteht, 14 Stunden am Tag Content über das Hamsterrad zu produzieren.) |
| „Komm in die Umsetzung.“ (Die freundliche Aufforderung, endlich das Geld zu überweisen.) | „High-Ticket-Closing.“ (Klingt nach Wall Street, meint aber meistens: Leuten am Telefon überteuerte Kurse aufschwatzen.) | „Ortsunabhängig arbeiten.“ (Meistens ein unvorteilhafter Laptop-Arbeitsplatz mit Spiegelungen auf dem Display am Pool in Dubai.) |
| „Deine Komfortzone ist dein Feind.“ (Ein Vorwand, um jede berechtigte Skepsis als „Angst vor Wachstum“ abzutun.) | „Der geheime Algorithmus-Hack.“ (Eine Binsenweisheit über Hashtags, die seit 2018 jeder kennt.) | „Passives Einkommen.“ (Der heilige Gral: Geld verdienen, während man schläft – funktioniert meistens nur für den, der den Kurs verkauft.) |
| „Investiere in dich selbst.“ (Code für: Kauf mein Coaching, egal ob du es dir leisten kannst oder nicht.) | „Automatisierte Lead-Gen-Machine.“ (Ein einfaches Kontaktformular mit einer nervigen Auto-Reply-E-Mail.) | „Finanzielle Freiheit.“ (Ein Zustand, der in dieser Blase meistens durch das Verkaufen von Träumen an andere Träumer erreicht wird.) |
Die Anatomie eines „Next Level“-Videos
Wenn du diese Sequenz siehst, ist es Zeit, weiterzuwischen:
- Der Hook: „Willst du wissen, wie ich ohne Vorwissen und ohne Startkapital…?“ (Meistens vor einem Objekt stehend, das ihm nicht gehört).
- Die künstliche Verknappung: „Ich suche nur 5 motivierte Leute für meine Masterclass.“ (In Wahrheit nimmt er jeden, dessen Kreditkarte nicht sofort abgelehnt wird).
- Die Schein-Expertise: Er nutzt Begriffe wie „KPIs“, „ROAS“ oder „Conversion-Rate“, erklärt sie aber so falsch oder oberflächlich, dass jeder Erstsemester-BWLer Weinkrämpfe bekommt.
- Der Call to Action: „Schreib ‚START‘ in die Kommentare.“ (Damit der Algorithmus denkt, es gäbe echte Interaktion).
Fazit: Stillstandsverwaltung mit Glitzer
Diese Blase lebt davon, dass die Teilnehmer den Prozess des Lernens mit dem Ergebnis des Tuns verwechseln. Wer ein Coaching bucht, fühlt sich für einen Moment wie ein Macher. Aber wie wir bereits analysiert haben: Wer im „Vibe“ hängen bleibt und nur die neuesten „Tricks“ jagt, ist die betriebswirtschaftliche Version der Eloi. Er konsumiert die süßen Früchte der Illusion, während der Coach im Hintergrund die Zeitmaschine wartet.
Am Ende ist es wie beim Gastronomen und dem Wirt: Der echte Unternehmer baut ein System, das Wert schöpft. Der Coaching-Guru ist nur ein weiterer Pausenclown für Menschen, die zu feige sind, sich der echten, langweiligen und harten Realität des Marktes zu stellen.
