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Wer an Macao denkt, hat meist das „Las Vegas des Ostens“ vor Augen: flackernde LED-Fassaden, gigantische Casino-Resorts und die immergleichen Touristenströme, die sich durch die Ruinen von St. Paul schieben, um ein Foto von einem Eierpudding-Törtchen zu ergattern. Doch wer die glitzernden Hauptstraßen verlässt und in die schmalen Gassen der Halbinsel oder in die dörflichen Strukturen von Coloane eintaucht, findet ein kulinarisches Ökosystem, das seit Jahrhunderten besteht.

Hier isst man nicht, um gesehen zu werden. Hier isst man, weil die Großmutter noch in der Küche steht und das Rezept für die Garnelenpaste ein Familiengeheimnis ist.


Die Seele der Macanesischen Küche: Riquexó

Während die Luxushotels mit Sterneköchen aus Europa werben, bewahrt das Riquexó (portugiesisch für Rikscha) das wahre Erbe der Stadt. Es versteckt sich unscheinbar in einem Wohnblock nahe dem Guia-Hügel. Gegründet von Aida de Jesus, der „Grande Dame“ der macanesischen Küche, fühlt es sich hier eher wie in einem heimischen Wohnzimmer als in einem Restaurant an.

Hier probiert man das echte Minchi – das inoffizielle Nationalgericht Macaos aus Hackfleisch, gewürfelten Kartoffeln und Sojasauce, gekrönt von einem Spiegelei. Es ist die Definition von „Comfort Food“. Touristen verirren sich selten hierher; stattdessen sitzen hier lokale Familien, die seit Generationen kommen. Es ist eine ehrliche, unprätentiöse Küche, die die Verschmelzung von portugiesischen Zutaten und chinesischen Kochtechniken zelebriert.

Das Reich der Nudeln: Cheong Kei

In der Felicidade Street – einst das Rotlichtviertel der Stadt – finden sich zwar viele Besucher, doch die meisten ziehen an den unscheinbaren Nudelläden vorbei. Cheong Kei ist eine Institution für Kenner. Spezialität des Hauses sind die Jook-Sing-Nudeln. Diese werden traditionell mit einem massiven Bambusstab geknetet, auf dem der Koch reitet, um den Teig elastisch und bissfest zu machen.

Die Nudeln mit getrocknetem Garnelenrogen (Shrimp Roe Noodles) sind ein puristisches Meisterwerk. Der Geschmack ist intensiv, salzig und tiefgründig. Man sitzt auf einfachen Hockern, es ist laut, es dampft, und der Service ist so direkt und effizient, wie man es nur in den besten Garküchen Asiens findet.

Insel-Idylle in Coloane: Nga Tim Cafe

Während das benachbarte Taipa unter dem Ansturm der Massen ächzt, hat sich das Dorf Coloane am südlichen Ende der Stadt eine fast mediterrane Ruhe bewahrt. Direkt vor der Kapelle St. Francis Xavier liegt das Nga Tim Cafe. Unter freiem Himmel, im Schatten alter Bäume, genießt man hier eine Küche, die keine Grenzen kennt.

Besonders empfehlenswert sind die gebratenen Garnelen mit schwarzem Pfeffer oder das „Sauna-Huhn“. Es ist der Ort, an dem man den Abend bei einem kühlen Bier verbringt, während die Einheimischen an den Nachbartischen lautstark diskutieren. Hier weht noch die Brise des alten Macao, weit weg vom künstlichen Sauerstoff der fensterlosen Casinos.

Die Kunst der Einfachheit: Pui Kei

In einer kleinen Gasse im alten Taipa Village (abseits der Souvenirläden) liegt das Pui Kei. Es ist ein klassisches Cha Chaan Teng (Tee-Restaurant). Hier bestellt man das legendäre Pork Chop Bun. Während die berühmten Ketten in der Innenstadt oft trockene Fleischbrötchen an Touristen verkaufen, ist das Kotelett im Pui Kei saftig, perfekt mariniert und steckt in einem frischen, knusprigen Brötchen. Dazu trinkt man einen „Yuenyeung“ – eine eigenwillige, aber süchtig machende Mischung aus Kaffee und Milchtee.


Die geheime Zutat: Zeit und Neugier

Macao abseits der Touristenpfade zu erschließen, erfordert Mut zur Lücke. Man muss bereit sein, in Läden zu gehen, in denen keine englische Speisekarte auf dem Gehweg steht und in denen die Einrichtung seit 1984 nicht mehr verändert wurde. Doch genau dort findet man die Aromen, die Macao zu einem der spannendsten kulinarischen Schmelztiegel der Welt machen.

Es ist die Mischung aus dem Duft von fermentierten Garnelen, der Schärfe von afrikanischem Huhn und der Süße von portugiesischem Wein, die erst dann ihre volle Wirkung entfaltet, wenn das Geräusch der Spielautomaten in weiter Ferne verhallt ist.