Um das Jahr 1800 befand sich Großbritannien im Umbruch. Die industrielle Revolution klopfte an die Tür, aber auf dem Teller regierte noch das alte, agrarische England. Es war eine Zeit, in der das Frühstück eine Schlachtplatte war, Gemüse als verdächtige Beilage galt und Bier als Grundnahrungsmittel für Kinder wie Erwachsene fungierte.
Die Pfeiler der britischen Küche
Bevor wir uns die Woche anschauen, müssen wir die drei Heiligtümer verstehen:
- Fleisch: Die Briten waren besessen davon. Ein ausländischer Besucher bemerkte damals: „In England gibt es nur zwei Arten von Gemüse: zwei Sorten Kohl.“ Den Rest des Platzes nahm Fleisch ein.
- Pudding: Nicht das, was wir heute unter Wackelpudding verstehen. Damals war ein Pudding eine Masse aus Mehl, Talg (Nierenfett!), Eiern und Gewürzen, die entweder gekocht, gedämpft oder unter dem Fleisch im Ofen gebacken wurde (wie der berühmte Yorkshire Pudding).
- Bier: Da Wasser oft verunreinigt war, trank man Small Beer – ein dünnes Bier mit wenig Alkohol, das den ganzen Tag über floss.
Eine typische Woche auf dem Teller (Mittelschicht bis gehobenes Bürgertum)
Der Speiseplan war weniger von Abwechslung als von der Verwertung geprägt. Ein großer Braten am Sonntag bestimmte den Rhythmus der folgenden Tage.
Sonntag: Der Tag des „Joints“
Der Sonntag war das kulinarische Hochamt. Es gab den „Sunday Joint“ – ein riesiges Stück Rind (Roastbeef) oder Schafskeule, das am offenen Feuer gedreht wurde. Dazu gab es den obligatorischen Pudding, der den Fleischsaft auffing, und vielleicht ein wenig saisonales Wurzelgemüse.
- Abends: Kalte Reste vom Braten mit Brot und Käse.
Montag: Die Wiedergeburt des Bratens
Da am Montag Waschtag war (eine knochenharte Arbeit ohne Maschinen), blieb keine Zeit zum Kochen.
- Mittags: Das kalte Roastbeef vom Sonntag, serviert mit Pickles (eingelegtem Gemüse) und Remoulade.
- Abends: Eine einfache Suppe aus den Knochen des Sonntagsbratens.
Dienstag: „Made Dishes“ (Gehacktes und Ragouts)
Langsam wurde das Fleisch vom Sonntag trocken. Jetzt schlug die Stunde der kulinarischen Tarnung.
- Mittags: Hash oder Minced Meat. Das Fleisch wurde fein gehackt, mit Zwiebeln, Kräutern und viel Sauce (Gravy) aufgekocht, um die Zähigkeit zu verbergen.
- Abends: Käse-Toast (Welsh Rarebit) oder kalte Pasteten.
Mittwoch: Der Fischtag oder Geflügel
Um die Fleischvorräte zu strecken, gab es oft Fisch (wenn man nah genug am Meer oder an einem Fluss wohnte) oder ein Huhn.
- Mittags: Gekochter Kabeljau mit Austernsauce (Austern waren damals billiges Fastfood!) oder ein Brathähnchen.
- Abends: Milchreis oder ein süßer Pudding.
Donnerstag: Pasteten-Tag
Was noch an Fleischresten übrig war, wurde nun in Teig gehüllt.
- Mittags: Meat Pie. Ein kräftiger Mürbeteigdeckel schützte die Fleischwürfel vor dem Austrocknen. Pasteten waren die „Tupperware“ des Jahres 1800 – sie hielten das Innere frisch.
- Abends: Brot, Butter und ein Krug Ale.
Freitag: Fasten (theoretisch) oder Suppentag
Obwohl die Reformation lange her war, hielt sich die Tradition des fleischlosen Freitags in vielen Haushalten.
- Mittags: Eine kräftige Erbsensuppe (Pease Porridge) oder Fischeintopf.
- Abends: Eiergerichte oder Pfannkuchen.
Samstag: Die „Restekiste“ und Vorbereitung
Der Samstag war der Tag der Reinigung. Die Küche wurde für den großen Sonntagsbraten vorbereitet.
- Mittags: Bubble and Squeak – Reste von Kartoffeln und Kohl vom Vortag, in der Pfanne zusammengestampft und gebraten, bis es quietscht (daher der Name).
- Abends: Ein einfacher Eintopf, während das Fleisch für Sonntag bereits beim Metzger abgeholt wurde.
Das Frühstück: Nichts für schwache Nerven
Um 1800 war das Frühstück keine Schale Müsli. In wohlhabenden Häusern gab es kalten Schinken, Zunge, Eier, gebratenen Fisch, Brot, Marmelade und dazu Tee oder Kaffee. Für die ärmere Bevölkerung gab es „Hafergrütze“ (Porridge) – aber oft mit einem Schuss Bier statt Milch.
Eine harte Zeit für Vegetarier
Wer um 1800 in England lebte, musste Fleisch lieben und Fett vertragen können. Die Küche war ehrlich, schwer und extrem nahrhaft – perfekt für eine Welt, in der man noch alles zu Fuß erledigte und Häuser nur durch zugige Kamine beheizt wurden.
