Wer schon einmal in einer böhmischen Hospoda gesessen hat, ist ihm unweigerlich begegnet: Einem großen Einweckglas auf dem Tresen, in dem dicke Knackwürste zwischen Zwiebelringen, Pfefferkörnern und Lorbeerblättern in einer klaren Flüssigkeit schwimmen. Sein Name: Utopenec (im Plural Utopenci).

Auf Deutsch bedeutet das schlicht „der Ertrunkene“. Was im ersten Moment makaber klingt, ist in Wahrheit die wohl legendärste Pivní chuťovka (Bier-Happen) Tschechiens – ein pikant sauer eingelegtes Würstchen, das als perfektes Gegengewicht zu einem kühlen, bitteren Pils dient.

WO HER KOMMT DER ERTRUNKENE?

Die Legende besagt, dass der Utopenec Anfang des 20. Jahrhunderts im mittelböhmischen Šamajov (nahe Beroun) erfunden wurde. Der Gastwirt und Mühlenbesitzer Šamánek suchte nach einer Möglichkeit, Würste ohne Kühlung länger haltbar zu machen. Er erfand die saure Essig-Würz-Lösung und legte die lokalen Fettwürste (Špekáčky) darin ein.

Der makabre Name verdankt sich gleich zwei Ursachen:

  1. Der Küchen-Humor: Die Würste werden im Glas sprichwörtlich versenkt und „ertränkt“.
  2. Die Tragödie: Der Erfinder Šamánek soll später angeblich beim Reparieren seines Wasserrades selbst im Mühlenteich ertrunken sein – woraufhin die Stammgäste der Spezialität ihm zu Ehren diesen denkwürdigen Namen gaben.

WAS MACHT EINEN ECHTEN UTOPENEC AUS?

Das Fundament bildet die Špekáček – eine traditionelle tschechische Brühwurst aus Rind- und Schweinefleisch mit sichtbaren, kleinen Speckwürfeln. Eine normale Bockwurst oder ein Wiener Würstchen sind kein gleichwertiger Ersatz, da sie im essigsauren Sud schnell matschig werden. Die Špekáček bleibt fest, nimmt den Sud perfekt auf und gibt das Fett an die Zwiebeln ab.

ANLEITUNG: UTOPENEC SELBST MACHEN

Das Selbermachen erfordert kaum Aufwand, aber eine essenzielle Zutat: Geduld. Der Utopenec muss mindestens eine Woche (besser zwei) durchziehen.

ZUTATEN (FÜR EIN 1,5- BIS 2-LITER-GLAS)

Für die Wurst-Einlage:

  • 6–8 tschechische Špekáčky (alternativ: dicke, feste Knackwürste oder Schinkenstadl)
  • 3–4 große Zwiebeln (in feine Streifen oder Ringe geschnitten)
  • 2–3 Gewürzgurken (in Stifte geschnitten)
  • 1–2 frische Chilli-Schoten oder Pfefferoni (je nach Schärfewunsch)
  • Etwas scharfer Senf

Für den Essigsud:

  • 500 ml Wasser
  • 300 ml Branntweinessig (ca. 5–8 % Säure)
  • 2 EL Zucker
  • 1 EL Salz
  • 1 EL Speiseöl
  • Gewürze: 2 Lorbeerblätter, 10 schwarze Pfefferkörner, 5 Pimentkörner, 1 TL Senfkörner

ZUBEREITUNG

  1. Den Sud kochen: Wasser, Essig, Zucker, Salz, Öl und die Gewürze (Lorbeer, Pfeffer, Piment, Senfkörner) in einen Topf geben, einmal aufkochen lassen und 5 Minuten köcheln. Danach den Sud vollständig abkühlen lassen.
  2. Würste präparieren: Die Würste häuten (sehr wichtig, damit die Säure einziehen kann!). Jede Wurst längs tief einschneiden, aber nicht durchschneiden. Die Schnittfläche innen dünn mit Senf bestreichen und mit ein paar Zwiebelstreifen und Gurkenstiften füllen.
  3. Glas schichten: In ein sehr sauberes, großes Einweckglas abwechselnd Zwiebelringe, Pfefferoni und gefüllte Würste eng aufeinanderstapeln.
  4. Aufgießen: Den abgekühlten Sud samt den Gewürzen über die Würste gießen, bis alles vollständig bedeckt ist.
  5. Reifen lassen: Das Glas verschließen und an einem kühlen, dunklen Ort (oder im Kühlschrank) mindestens 7 bis 14 Tage ziehen lassen.

WIE MAN IHN SERVIERT

Ein Utopenec wird kalt direkt aus dem Glas serviert. Die Wurst wird längs aufgeklappt auf den Teller gelegt, reichlich mit den durchgezogenen, sauer-würzigen Zwiebelringen bedeckt und zusammen mit einer dicken Scheibe frischem, dunklem Landbrot gereicht. Guten Appetit – oder wie man in Tschechien sagt: Dobrou chuť!

Typisch tschechische Kneipenklassiker aus dem tschechischen Kneipenlexikon:

Utopenci: Šťavnaté špekáčky naložené v pikantním sladkokyselém nálevu s octem, cibulí, kuličkami pepře a feferonkou. Název je odvozen od toho, že uzenina doslova „utone“ na několik dní ve sklenici.

Topinky: Chlebové krajíce osmažené na sádle nebo oleji dozlatova a do křupava. Klíčovým krokem je jejich poctivé potření čerstvým stroužkem česneku. Podávají se samostatně, nebo jako základ pro masové směsi a tatarský biftek.

Hermelín na grilu nebo naložený: Český sýr s bílou plísní na povrchu, který se podává buď nakládaný v oleji s česnekem, divokým kořením a chilli papričkami, nebo teplý z grilu s brusinkami a rozpečenou bagetou.

Tlačenka s cibulí a octem: Tradiční zabijačkový pokrm z vepřového masa zalitého přírodní sulcí. Podává se nakrájená na plátky, bohatě posypaná čerstvou cibulí a pokapaná octem, nejlépe s krajícem čerstvého chleba.

Tichá Anička je rustikální, studený talíř, který sází na výrazné chutě a absolutní jednoduchost.Oblíbená studená svačina s makrelovým filetem, chlebem, vejcem, hořčicí, okurkou a sýrem, převzatá z hospodské kultury NDR.

Pivní sýr: Zrající, velmi aromatický sýr, který se přímo na talíři rozmačká vidličkou, smíchá s trochou piva, cibulí, mletou paprikou a máslem. Vzniklá pomazánka se pak maže na čerstvý chléb.