Der Werdauer Wald, der sich über die Landesgrenzen von Sachsen und Thüringen erstreckt, ist weit mehr als nur ein Forst. Er bildet einen der größten zusammenhängenden Waldkomplexe in dieser Region (rund 5500 Hektar) und ist ein unverzichtbares Landschaftsschutzgebiet. Für Naturfreunde, die Ruhe, ausgedehnte Wege und spannende ökologische Einblicke suchen, ist der Wald zwischen Werdau und Greiz ein wahres Paradies.
Der Werdauer Wald: Ein Biotop der Ruhe
Der Wald ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Ökologisch ist er besonders wertvoll aufgrund seiner Größe und der vorhandenen Buchen- und Eichenmischwälder, obwohl Fichtenbestände dominieren.
- Ökologische Besonderheit: Der Werdauer Wald gilt neben dem Leipziger Auwald als eines der wenigen Gebiete in Sachsen, in dem sich eine kleine lokale Wildkatzenpopulation erfolgreich etabliert hat und nachgewiesen werden konnte. Dieses scheue Tier ist ein Indikator für die hohe Qualität und die Ruhe der Wälder.
- Historie und Geologie: Der Untergrund besteht aus silurischen und kulmischen Schiefern. Besucher finden hier zahlreiche Wasserläufe, Teiche und Überreste historischer Anlagen, wie den Flößergraben, dessen Verlauf heute als Geschichtspfad dient.
Auf Schusters Rappen: Die Wanderwege
Die Wege im Werdauer Wald sind hervorragend geeignet für lange, erholsame Wanderungen, da die Höhenunterschiede meist moderat sind. Die Forstwege sind gut begehbar und oft breit.
Empfehlenswerte Wanderziele:
- Rund um den Schlötengrund: Dieser Bereich, nahe der thüringischen Grenze und der Siedlung Waldhaus, ist besonders reizvoll. Hier befindet sich der Schlötenteich und ein artenreicher Grund. Die Wege führen durch mosaikartig verzahnte Waldstrukturen.
- Zum Tiergehege Waldhaus: Ein beliebtes Ausflugsziel, besonders für Familien. Hier können Besucher heimische Tierarten, darunter Rotwild, beobachten. Von hier aus lässt sich der Wald tiefgehend erkunden.
- Der Flößergraben-Weg: Folgen Sie den Spuren der historischen Holztrift. Der Weg bietet nicht nur Naturerlebnis, sondern auch Einblicke in die frühere wirtschaftliche Nutzung des Waldes.
Hinweis für Naturfreunde: Da Teile des Waldes Gebiete mit natürlicher Waldentwicklung umfassen, muss auf Totholz und ungerichtete Baumstürze geachtet werden. Umsicht ist besonders bei starkem Wind geboten.
Auf zwei Rädern: Radfahren im Werdauer Wald
Auch Radfahrer finden im Werdauer Wald ein dichtes Netz an Touren. Die Strecken sind meist auf Forst- und Waldwegen gut befahrbar, wobei auch kurze, ruhige Straßenabschnitte genutzt werden. Die Landschaft bietet eher sanfte Anstiege, was die Routen für Genussradler attraktiv macht.
Beliebte Radtouren:
- Werdau – Werdauer Wald – Rundtouren: Zahlreiche Routen beginnen in Werdau und führen auf Strecken zwischen 25 und 45 Kilometern tief in den Wald hinein. Diese Touren bieten moderate Steigungen und führen oft zu kleinen Rastplätzen und Teichen.
- Greiz – Werdauer Wald – Göltzschtalbrücke (Verbindungstour): Ambitioniertere Radfahrer können den Wald als Etappe nutzen, um die Sehenswürdigkeiten der Umgebung zu verbinden. Die Tour führt vom thüringischen Greiz durch den Wald und kann bis zur Göltzschtalbrücke, dem größten Ziegelbauwerk der Welt, erweitert werden.
- Zur Koberbachtalsperre: Von den Waldrändern aus lässt sich die nahe gelegene Talsperre gut erreichen. Die Talsperre bietet eine willkommene Abkühlung und weitere Erholungsmöglichkeiten.
Tipp für Radler: Einige längere Routen im Umland sind Themenrouten, wie die „Bauerngartenroute“ oder Abschnitte des Elsterradweges, die sich gut mit einer Waldtour kombinieren lassen.
Attraktionen in der näheren Umgebung
Die Region um den Werdauer Wald bietet zudem kulturelle und historische Ergänzungen für den aktiven Natururlaub:
- Burg Schönfels: Eine malerische mittelalterliche Burg, die sich nordöstlich des Waldes befindet und einen lohnenden Ausflug darstellt.
- Greiz und der Fürstliche Park: Die Stadt Greiz, oft als „Perle des Vogtlandes“ bezeichnet, besticht mit ihren historischen Schlössern (Oberes und Unteres Schloss) und dem nach englischem Vorbild gestalteten Park.
- August Horch Museum (Zwickau): Für Technikbegeisterte liegt das Zentrum der sächsischen Automobilgeschichte nur eine kurze Fahrt entfernt.
Der Werdauer Wald bietet damit die perfekte Kombination aus ungestörter Naturerfahrung und regionaler Kultur. Er ist ein idealer Ort, um die Seele baumeln zu lassen – auf Wanderwegen, die sich unter Buchen und Fichten schlängeln, oder auf Radtouren, die das grüne Herz der Region erschließen.

